Trotzanfall in der Öffentlichkeit – Mamas da draußen, ihr seid nicht alleine!

By | 22. Januar 2015

Wohoo… wie konnte es nur so lange gut gehen? Unser Junior hat einige Stärken, die größte ist aber definitiv seine Willensstärke. Wenn dieses Kind etwas will, hat es eine Engelsgeduld auf dem Weg zum Ziel. Ich frage mich immer, wo diese Geduld sich aufhält, wenn er mal ruhig sitzen bleiben soll.^^

Tatort Kindergarten!

Als wir in der früh wach wurden, eine Stunde eher als nötig, war die Welt noch in Ordnung. Der Morgen verlief entspannt, Frühstücken, waschen, anziehen, kuscheln… Auch der Weg in den Kindergarten und das abgeben bereitete keinerlei Probleme. Ein Morgen wie viele andere. Das Schlimme kam erst noch, die Abholzeit…

Ich betrete den Hof, quatsche kurz mit der Erzieherin über das schon bestehende Datum des diesjährigen Sommerfestes, dann bisschen smaltalk, und diese sagt mir, das mein Kind heute enorme Energie hätte. Lächlend entgegne ich „Hat er das nicht immer?“ Woraufhin sie antwortet „Ja, heute aber besonders viel.“ Ich denke mir nichts böses und mache mich auf, in Richtung Kind, welches mich nicht gerade erfreut entdeckt. O-o Da er noch mit dem schnellen blauen fahren möchte, schiebt er mich meckernd rückwärts zurück. Nix besonderes. Um die Situation nicht auszuweiten bitte ich den Jungen, der auf dem Fahrzeug sitzt, Mini 2 Runden fahren zu lassen, da wir dann gehen. Er sagt zu. Lieber Junge!

Natürlich sieht der Sohnemann es nicht ein, sich an unsere Absprache zu halten und ich versuche es während Runde 3 mit gutem Zureden. Als dies während Runde 4 auch nichts bringt, lege ich Hand an, bedeutet, ich versuche das Kind aus dem Fahrzeug zu heben, was mir aber aufgrund winden, wenden und umklammern des schnellen blauen nicht gelingt. Dieses Kind hat nicht nur 20 Kilo Gewicht auf 110cm, es hat auch enorme Kraft für einen kleinen Jungen… Entgegen meiner Erwartung parkt er nach dieser Runde und steigt schimpfend ab. Er verabschiedet seine Erzieherinnen und zieht beim Verlassen der Einrichtung seine Mütze vom Kopf. Es wäre ja nicht so, das wir erst über Weihnachten krank gewesen wären und es aktuell gerade wieder bitterkalt ist. Jedenfalls geht es jetzt erst richtig los:

Wir verlassen den Kiga über die Treppen, vor dem Ausgang wartet schon die Tante im Auto auf uns, doch das Kind steigt nicht ein, er hat einen ganz anderen Plan. Es wird laut, denn der Herr möchte nicht einsteigen, er möchte auch nicht ins Auto gesetzt werden, er will einfach all das nicht, das ich gerne möchte. Seine weiteren Forderungen lauten, das ich weder Sprechen, noch in seine Richtung schauen darf. Langsam steigt eine winzig kleine innere Unruhe in mir auf, ich bleibe jedoch gelassen – versuche es zumindest und bemühe mich weiter, das Kind zum Einsteigen zu bewegen. Dazu muss ich sprechen und ihn anschauen, anders gehrt es nunmal nicht und wir tauschen sicher nicht die Rollen.

gr

Mutter Nummer 1 kommt ihre Tochter abholen und schenkt mir ein verständliches Lächeln (bei einem Trotzanfall ihrer Tochter durfte ich auch schon in der ersten Reihe sitzen), Mutter Nummer 2 will ich (natürlich spaßeshalber) mein trotzendes Kind andrehen. Sie lehnt dankend ab und gibt an, hin und wieder auch ein solches Kind zu haben. Außerdem freut sie sich, dass nicht nur ihr Kind so ist, sondern auch die Kinder anderer. Wie aufmunternd, danke.^^ Mutter Nummer 3 beachtete mich nicht, wahrscheinlich will sie mich nicht zusätzlich stressen, unterhält sich aber mit mir, als die Erzieherin um die Ecke sah und nachfragte ob sich das Kind verletzt hätte und ob sie helfen könne. (So laut war er also…) Mit dem Schlagwort Trotzanfall, waren alle beruhigt und gingen nickend ihrer Wege. Als der Papa seinen besten Freund abholte, saßen wir schon auf dem Beifahrersitz. Natürlich fährt unser Kind hinten mit, jedoch hatte ich ihn auf dem Schoß und konnte ihn langsam etwas beruhigen.

Wir kamen zum Entschluss, das er nun nach hinten in den Kindersitz sitzen könne und wir den Nachhauseweg antreten könnten. Leider stimmte das nicht ganz, den auf der Rückbank tat er alles andere als zu sitzen, er lief die paar Zentimeter hin und her, erzählte mir wieder das ich nicht zu sprechen hätten und wollte zudem das ich mich neben ihn setzte. Theatralisches Theater Klappe die 2. Ich lies mich nicht beirren, redete weiter auf ihn ein und schaffte es ihn zu setzten und anzuschnallen. Einfach ist anders! Da der Kindersitz der Tante einen Stoffbezug hat, der gerne nach oben rutscht, wurde auch hier nochmal der Alarm im Kind ausgelöst, dies beeindruckte mich nun aber wirklich nicht mehr. Ich schloss seine Tür und lies mich auf meinen Beifahrersitz fallen. Puuhhh… Die Tante rückte das Stoffgewirre zurecht und dann konnten wir endlich fahren.

Gedauert hatte es bis hierhin etwa 15 Minuten. 15 anstrengende Minuten zwischen Verärgerung, Erschöpfung und einem doofen Gefühl gegenüber herannahenden Erwachsenen (auch wenn sie alle hin und wieder das selbe mitmachen müssen). Wer nun glaubt, dass wir am Ende der Geschichte sind, den interessiert sicher dass das Geschrei sich bis zu unserer Wohnung fortsetzte. Als er hier zur Ruhe kam, erklärte ich ihm noch im Auto, das ich seinen Zwergenaufstand ganz schlimm fand. Natürlich nicht mit diesem Wort, aber so, das ein 4 jähriger das verstehen kann. Ich erklärte auch, das mich die Situation sehr traurig gemacht hat und das nicht schön war. In wie weit er das verstanden hat, wird sich zeigen, ich bin jedoch froh, das ich mich nicht habe unterkriegen lassen.

Natürlich hätte ich diesen Vorfall minimieren und fast ungeschehen machen können, mir wären der Kraftaufwand und die Blicke erspart geblieben, ich hätte dem Kind seinen Willen lassen können und auf sein Kommando leise sein können, aber was hätte ich dann geerntet? In meinen Augen hätte das nur dazu geführt, das er sich das für die Zukunft merkt. Das er sich daran erinnert, das man nur eine Weile meckern und schreien und trotzen muss, damit Mama das macht, das man gerne möchte… Nein, dies ist keine Alternative für mich!

Zuhause angekommen, löste sich das Ganze recht schnell auf, wir begannen zu malen, falteten die Bilder zu Papierfliegern und beklebten einen Hubschrauber mit bunten Klebemosaikformen. Anschließend durfte er in sein Tigerkostüm vom letzten Fasching springen und wurde auf der Couch zum Schmusetiger. 😉 Ja so sind sie, die kleinen, manchmal ganz groß manchmal ganz fies, aber dann wieder ganz klein und wundervoll. <3

Wenn euer Kind mal wieder einen kleinen, feinen Wutausbruch bekommt, dann atmet durch und denkt an uns.^^ Auch solche Tage gehören zum Familenleben dazu, der nächste Tag wird bestimmt wieder besser. 😉